"Das Produkt weiß selbst, was es werden will." Dr. Kurt Hofstädter, Head of Industry CEE der Siemens AG Österreich, warf Mittwochabend im Rahmen der Expert Talks an der FH Technikum Wien einen Blick in die Zukunft der Industrie. Die Produktion der Zukunft - auch Industrie 4.0. genannt - fußt auf dezentralen, sich selbstorganisierenden Abläufen. Daraus resultierende kürzere Innovationszyklen, flexiblere Massenfertigung und die optimale Ausschöpfung von Ressourcen werden einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil für Volkswirtschaften darstellen.
Unter dem Schlagwort "Industrie 4.0" werden mit RFID-Chips ausgestattete Produkte, Transportmittel oder Werkzeuge zu "Cyber Physischen Systemen" (CPS), die miteinander kommunizieren und sich gegenseitig steuern. CPS werden tausende Produktionsvarianten durchkalkulieren und zulässige Optionen vorschlagen.
Bis dato sei die "Industrie 4.0" zwar noch ein Blick in die Zukunft in 20 Jahren, so Hofstädter, doch die Zukunft habe schon begonnen. Seit vielen Jahren investiert Siemens in die Verknüpfung von digitaler Produktplanung und realer Fertigung. "Ich würde sagen, derzeit stehen wir bei 'Industrie 3.8'."
Eine entscheidende Rolle spiele innovative Industriesoftware. Zwei Beispiele streicht Hofstädter hervor: Mit Hilfe der Siemens PLM Software wurde der Mars-Roboter Curiosity von der NASA digital entworfen, virtuell zusammengebaut und seine Funktionen schon simuliert, bevor es überhaupt einen physischen Prototypen gab. Die Software trug dazu bei, dass die vielen tausend Komponenten zusammenpassen, richtig arbeiten und den Bedingungen der Mission standhalten. "Es galt die Null-Fehler-Vorgabe. Service-Einsätze auf dem Mars sind kompliziert."
Weiterer prominenter Einsatz von intelligenter Software im Produktionsprozess ist die Formel 1. Als Innovationspartner von Infiniti Red Bull Racing ist die Siemens PLM Software das "elektronische Rückgrat" neben der Strecke. "In einer einzigen Formel-1-Saison gibt es viele Reglementänderungen die in tausendenden technischen Änderungen resultieren können", so Hofstädter. "Siemens ermöglicht es den Konstrukteuren, innerhalb kürzester Zeit am Computer neue Komponenten zu konstruieren und zu testen, diese Sekunden später per Mausklick produzieren zu lassen und anschließend in das Fahrzeug von Sebastian Vettel einzubauen."
Erfahrungen aus diesen extremen Anwendungsgebieten fließen bereits heute in die Massenproduktion ein, zum Beispiel in der Automotiveindustrie zur Verkürzung der Produktionszyklen. Hofstädter: "Der Markt erwartet eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. Dazu braucht es Effizienzsteigerung, eine kürzere Time-to-Market und mehr Flexibilität auch in der Massenproduktion. Die industrielle Fertigung auf Basis vernetzter Cyber Physischer Systeme bedeutet einen enormen Wettbewerbsvorsprung."
Expert Talks
Die Expert Talks sind eine Veranstaltungsreihe des Bachelor- und des Master-Studienganges Internationales Wirtschaftsingenieurwesen an der FH Technikum Wien. Namhafte Expertinnen und Experten aus der (internationalen) Wirtschaft und Politik sprechen jeweils über aktuelle Themen und Entwicklungen. Zur Teilnahme an den Vorträgen sind neben Studierenden der FH Technikum Wien auch alle sonst Interessierten herzlich eingeladen.
Der nächste Expert Talk mit Mag. Julian Jäger, Vorstand Flughafen Wien, findet am Mittwoch, den 19. März 2014, in der FH Technikum Wien, Höchstädtplatz 5, 1200 Wien statt.